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Welch ein journalistisches Versagen

Von der Verwerflichkeit einer bipolaren Journalistin, die herausragende Beobachterin und verabscheuungswürdige Demagogin zugleich war.

Von der Verwerflichkeit einer bipolaren Journalistin, die herausragende Beobachterin und verabscheuungswürdige Demagogin zugleich war.
Aya Velázquez hat in einem Brief an ihre Leser angekündigt, sich aus der Tagespolitik zurückzuziehen. Sie will sich künftig mehr mit „Global Governance“ befassen und den tagespolitischen Betrieb hinter sich lassen. Man kann diesen Schritt nur begrüßen. Nicht, weil hier eine unbedeutende Stimme verstummt, sondern weil eine der wirkmächtigsten – und zugleich journalistisch verheerendsten – Figuren der Corona-Jahre zumindest teilweise aus dem öffentlichen Meinungsbildungsprozess ausscheidet.
Velázquez ist ohne Zweifel eine der einflussreichsten Journalistinnen dieser Zeit gewesen. Kaum jemand hat so wirkungsvoll viele Missstände der Corona-Politik sichtbar gemacht, kaum jemand hat mit vergleichbarer Reichweite Dokumente, Abläufe und politische Verfehlungen öffentlich gemacht. Ohne jedes Missverständnis: Aya Velázquez hat – Prof. Dr. Stefan Homburg ausgenommen – mehr als nahezu jede andere Einzelperson zur Aufarbeitung der Corona-Zeit beigetragen. Die Kritiker der staatlichen Maßnahmen haben die Auseinandersetzung auf der Sachebene gewonnen. Dass dieser Befund heute kaum noch ernsthaft bestritten wird, ist auch ihr Verdienst.
Und dennoch bleibt das Gesamturteil über ihren Journalismus vernichtend.
Denn Einfluss ersetzt keine Professionalität. Reichweite ersetzt keine Methode. Und moralische Selbstgewissheit ersetzt kein journalistisches Ethos.
Velázquez fällt nicht durch Bescheidenheit auf. Sie tritt mit erheblichem Selbstbewusstsein auf, spricht offen über ihre Bedeutung und ihre Erfolge. Das ist nicht nur legitim, sondern kann für kritischen Journalismus sogar zwingende Voraussetzung sein. Die Pose der Sendung, des Auftrags, ja des Heilsbringers, ist historisch oft der Motor publizistischer Durchschlagskraft gewesen. Von nichts kommt nichts. Wer gegen Machtstrukturen antritt, braucht ein robustes Ego.
Gerade deshalb ist das Scheitern hier so fundamental.
In ihrem Abschiedsbrief an ihre Leser, der auch eine Bilanz zieht, die äußerst lesenswert ist, analysiert Velázquez mit großer Klarheit die Mechanismen digitaler Manipulation: die Dopaminökonomie sozialer Medien, das News-Junkie-Tum, die Sucht nach Resonanz, die Eignung sozialer Netzwerke als Trägermedium verdeckter psychologischer Operationen. Sie verweist auf einschlägige Geheimdienst-Manuale und beschreibt zutreffend, wie manipulative Kampagnen öffentliche Wahrnehmung formen. Diese Analyse ist präzise, kenntnisreich und im Kern richtig.
Das Problem ist nur: Sie scheint für alle zu gelten – nur nicht für sie selbst.
Velázquez erweist sich ausgerechnet dort als vollkommen unkritisch, wo ein Journalist am unerbittlichsten sein müsste: bei den eigenen Paradigmen und Überzeugungen. Wo politische Emotion auf massenhafte Kampagnen trifft, tritt bei ihr kein Zweifel ein, keine Distanz, kein Innehalten. Es denkt in ihr bis zum Affekt. Der journalistische Grundakt – der Schritt zurück, die erneute Prüfung, das Misstrauen auch gegenüber den „eigenen“ Fakten – findet nicht statt.

Dies kulminiert in ihren Ausführungen zum sogenannten Gaza-Genozid.
Hier verlässt Velázquez jede analytische Ebene. Sie wirft der gesamten kritischen Szene der Corona-Zeit vor, sich nach anfänglichem Einsatz für Grundrechte nun auf die Seite Israels geschlagen und damit angeblich eigennützige Motivation entlarvt zu haben. Wer die Genozid-These zurückweist – und damit eine nicht nur sehr gut vertretbare, sondern sicher und offenkundig zutreffende Tatsacheneinschätzung teilt –, wird von ihr moralisch delegitimiert.
Und hier ist der Punkt, an dem Klartext notwendig ist:
Die von Aya Velázquez vertretene Haltung zum sogenannten Gaza-Genozid setzt – insb. in ihrer pauschalen, moralisch absolut gesetzten und geschichtspolitisch enthemmten Form – unwiderlegbar einen hasserfüllten Antisemitismus voraus. Die offen zutage tretenden Tatsachen und historischen Befunde können nur mit Hilfe blindwütigen antisemitischen Hasses so beiseite gewischt werden, dass die abstoßenden Fehlurteile Aya Velázquez‘ entstehen können.
Dies ist nicht als Beleidigung gemeint, sondern als logische Konsequenz ihres eigenen Argumentationsmusters. Wer Israel als Völkermörder bezeichnet, wer Unterstützer der gegenteiligen Einschätzung moralisch disqualifiziert, wer dabei historische Maßstäbe verschiebt und Relativierungen bis an die Grenze des Unerträglichen vornimmt, operiert nicht mehr im Raum legitimer Kritik, sondern im Raum antisemitischer Projektion. Aya Velázquez Denken leidet unter denselben ideologisierten Denkverirrungen wie der Mainstream. Sie ist nicht eine von uns, sondern verachtet uns. Punkt.
Besonders grotesk ist dabei die von ihr vorgenommene moralische Gewichtung: Für Velázquez wiegt die angebliche „Rechtfertigung eines Gaza-Genozids“ schwerer als die realen, nachweisbaren rechtsstaatlichen Entgleisungen der deutschen Corona-Politik. Zugleich erklärt sie explizit, dass nur diejenigen zur Kritik dieser Zeit legitimiert seien, die zugleich die Genozid-These übernehmen. Kritischer Journalismus wird so zur Gesinnungsprüfung. Analyse wird ersetzt durch Loyalitätszwang. Wer nicht antisemitisch denkt, soll den Mund halten.
Spätestens hier entlarvt sich der gesamte Text als das Gegenteil von Journalismus.
Die Ironie ist vollkommen: Ausgerechnet die Autorin, die das Manipulationspotenzial sozialer Medien so treffend beschreibt, erweist sich selbst als willfähriges Opfer einer der größten antisemitischen Kampagnen der jüngeren Zeit. Aya Velázquez kann nicht ansatzweise erkennen, mit welchen jahrzehntelang fortentwickelten Manipulationstechniken die islamistischen Terrororganisationen, die dahinterstehenden Staaten und Strukturen und die damit verbundenen politischen Akteure sich weltweit auf die antisemitische Hasskampagne ab dem 8. Oktober 2023 vorbereitet haben. Ihre im selben Text folgenden Ausführungen über psychologische Kriegsführung werden durch die eigene Blindheit entwertet. Sie belegen nicht Erkenntnis, sondern Willfährigkeit gegenüber ideologisch aufgeladenem Hass.
Vielleicht ist der angekündigte Rückzug tatsächlich eine Chance. Vielleicht kann Aya Velázquez mit zeitlicher Distanz jene geistige Unabhängigkeit wiedergewinnen, die ihr gestattet, kognitive Dissonanzen unter Ausschluss der ideologischen Manipulationen aufzulösen und überhaupt erst wieder zu einem kritischen Journalismus zurückzufinden.
Bis dahin jedoch bleibt festzuhalten: Diese Pseudo-Journalistin hat den kompetenten kritischen Journalismus nicht gestärkt, sondern diskreditiert. Dass sie künftig eine kleinere Rolle im öffentlichen Meinungsbildungsprozess einnehmen will, ist deshalb kein Verlust – sondern eine notwendige Entlastung.

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