Vorab:
Die hier veröffentlichten Texte sind weder offizielle Mitteilungen noch Belehrungen. Sie spiegeln zumeist nicht einmal im engeren Sinne meine Meinung wider – jedenfalls nicht im Sinne einer festgefügten Überzeugung, wohl aber im Sinne von Art. 5 GG –, sondern eher meine jeweiligen aktuellen Empfindungen.
Eigentlich sind sie auch nicht für ein Publikum bestimmt; sie dienen vor allem meiner eigenen Disziplinierung. Ich würde gerne generell Gedanken möglichst klar und strukturiert zu Ende führen – ein Vorhaben, das durch die Veröffentlichung eine willkommene Beschleunigung erfährt.
Deliberation ohne Deliberation – Zur Krise der Demokratie
Die politischen Koordinaten „links“ und „rechts“ sind ihrer inhaltlichen Substanz entleert. Wer sich „links“ nennt, bleibt die Definition schuldig, was dieses Attribut heute noch bedeutet; „rechts“ wird zur reinen Negativkategorie, die lediglich das „Nicht-Linke“ bezeichnet. Damit verwandeln sich die Begriffe in Marker ohne programmatische Orientierung...
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Autoritarismus
Es ist eine der zentralen Errungenschaften moderner Staatlichkeit, dass politische Macht durch Verfahren legitimiert wird. Wahlen, Parlamente, Gerichte, Pressefreiheit – all dies sind Elemente eines institutionellen Rahmens, der der politischen Herrschaft zumindest einen Anschein von Legitimität verleiht. Doch was geschieht, wenn gerade diese Verfahren zur Waffe gegen den politischen Gegner werden? Wenn sie nicht mehr der Sicherung von Freiheit und Pluralismus dienen, sondern der gezielten Ausschaltung missliebiger Akteure – und das unter dem Deckmantel des Rechts und der Demokratie?
Der Parteienstaat und das Bundesverfassungsgericht
Im demokratischen Verfassungsstaat der Bundesrepublik Deutschland, wie ihn das Grundgesetz anlegt, ist das Ideal der Gewaltenteilung in seiner klassischen Form mit einer weitreichenden Eigenständigkeit der staatlichen Gewalten verbunden. Dieses Ideal stößt jedoch an die Realität eines seit Jahrzehnten etablierten Parteienstaats, der zwar nicht ausdrücklich im Grundgesetz vorgesehen ist, sich aber im Laufe der Nachkriegsgeschichte als faktisches Herrschaftsmodell herausgebildet hat und seit dem Erstarken einer unwillkommenen neuen Partei zunehmend zur Kenntlichkeit entstellt wird. In diesem System haben die politischen Parteien nicht nur die Legislative und Exekutive durchdrungen, sondern auch starken Einfluss auf die personelle Zusammensetzung der Judikative – insbesondere des Bundesverfassungsgerichts – erlangt.
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Rechtsstaat und Kontinuität: Die Bundesrepublik als Ausdruck konservativen Grunddenkens
Wenn man bedenkt, dass im Jahr 2025 die Gründung der Bundesrepublik Deutschland genau 76 Jahre zurückliegt, lohnt ein gedanklicher Zeitsprung: Zurückgerechnet ins Jahr 1873, 76 Jahre vor 1949, gelangt man an den Beginn des deutschen Kaiserreichs – eine Ära, die bis heute für den Auftakt des deutschen Nationalstaats in moderner Form steht.
Zwischen Wahrheit und Krieg: Opferzahlen
In den letzten Tagen ist eine bemerkenswerte Verschärfung im internationalen Diskurs über die israelische Militärintervention im Gaza-Streifen zu beobachten. Organisationen, politische Akteure und sogenannte zivilgesellschaftliche Stimmen äußern sich zunehmend kategorisch zur angeblichen völkerrechtswidrigen Natur der Operationen, zur Missachtung humanitärer Standards und – besonders prägnant – zur Höhe ziviler Opferzahlen. Es ist diese Form sicher behaupteter Evidenz, die Anlass zu einem Zwischenruf gibt.
It's always been the economy, and it always will be, you pseudointellectual political moron!
Dieser - hier leicht modifizierte - Ausruf Bill Clintons lässt das Grundproblem des Westens schlechterdings anklingen, welches weiterhin nicht ansatzweise einer Reparatur unterzogen wird.
Ideologie Moralismus
Eine Ideologie – das ist nichts anderes als die entschlackte Version eines Ideals. Ein Ideal, dem man alles genommen hat, was nachdenklich macht, was Zweifel aufwirft, was Begründung verlangt. Es bleibt eine pure Form, reduziert auf ein Schlagwort, ein Banner, das sich im Wind der Überzeugungen bläht, ohne jemals geerdet zu sein. Die Ideologie erhebt den Anspruch auf Wahrheit – und das ohne Nachweis. Sie braucht keine Argumente, sie benötigt keine Rechtfertigung, sie lebt von der Kraft der Wiederholung und der Gewalt des Ausschlusses.
Verfassungsfeinde
Wir werden von Verfassungsfeinden regiert – an dieser Feststellung führt seit dem 2. Mai 2025 kein Weg mehr vorbei.
Manifest: der Bullshit-Lackmustests
In einer Zeit fabulierender Komplexität und rhetorischer Überfrachtung wird es immer schwieriger, echte intellektuelle Annäherung an Wirklichkeit von bloßer Konsenspflege zu unterscheiden. Der Bullshit-Lackmustest tritt an, diese Unterscheidung schärfer sichtbar zu machen.
Relevanzelite
In der frühen Moderne glaubte man, eine Elite müsse sich ihre Stellung in der Gesellschaft verdienen – durch Leistung, durch Bildung, durch bürgerlichen Eigensinn. Der Gedanke der Relevanzelite knüpft daran an: Ihre Bedeutung gründet sich nicht auf bloße Position, sondern auf erworbene geistige Wirksamkeit.